Rotterdam-Amsterdam-Otterlo 2015 – Reisebericht

Reisebericht mit Bildergalerien
Rotterdam-Amsterdam-Otterlo 2015


 Freitag, 1. Mai 2015 

Wieder einmal Urlaub, besser eine Architekturexkursion auf eigene Faust. Keine Gruppenrundreise, sondern individuelle Freizeitgestaltung. Funktioniert aber auch nur, wenn man sich um alles selbst kümmert oder eine Frau hat, die geduldig Rahmenbedingungen schafft, um ein solches Programm vor Ort umzusetzen. Ich habe da sehr viel Glück.

Um 8:20 starten wir, kommen am Maifeiertag auf den Autobahnen gut durch und erreichen um 15:00 unser erstes Etappenziel – das sogenannte Art-Hotel in Rotterdam. Ein interessantes, aufge-möbeltes Hochhaus, wahrscheinlich aus den 1960er Jahren, ich habe es nicht weiter recherchiert. Das Zimmer sehr ordentlich, die Ausstattung IKEA. Soviel zur Kunst! Der Möbel-Ausstatter aus Schweden prägt die Wohnwelt – mittlerweile weltweit – in erstaunlichem Ausmasse.

Gegen 16:00 machen wir uns mit der Tram auf in Richtung Centraal Station. Der neue Bahnhof mit schwungvoller Dachkonstruktion ist aber vor allem von außen imposant. Große architektonische Gesten werden uns in den nächsten Tagen immer wieder, und nicht nur in Rotterdam,  begegnen. Dann ein Bummel durch die im 2. Weltkrieg zerstörte und nun wieder aufgebaute Innenstadt. Wirkliche Altstadt gibt es hier nicht.

Der erste Eindruck:

Gegenüber unserem Besuch im April 1991 hat sich in dieser Stadt schon sehr viel Positives entwickelt. Ja, man spürt Urbanität, obwohl vieles neu und geleckt ist. Abendessen dann bei einem Vietnamesen. Meine Frau kann sich so nebenbei auf den nächsten Urlaub vorbereiten.

Die Erasmus-Brücke ein Hingucker, auch all die benachbarten Hochhäuser. Ein besonderes „Highlight“, da auch geschichtlich interessant – das Hotel New York:

„Das direkt an der Nieuwe Maas gelegene Hotel befindet sich im ehemaligen Hauptgebäude der Holland America Lijn (HAL) und ist ein Prestigeobjekt im Stadterneuerungsprogramm Kop van Zuid. Es steht als Rijksmonument unter Denkmalschutz. Das Gebäude stammt aus den Jahren 1901 bis 1917, als der Neubau eine Unterkunft für Amerika-Emigranten ablöste. Der Bau weist deutliche Elemente des Art Deco und des Jugendstils auf.“ (Wikipedia)

Müde fahren wir gegen 21:00 zum Hotel zurück. Der erste Tag war schon mal prima.

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Bildergalerie – Rotterdam, 1. Mai 2015


Samstag, 2. Mai 2015 

Auch der Samstag lässt sich gut an. Nach dem Frühstück im Hotel fahren wir das Auto erst einmal zum nahegelegenen P&R Parkhaus, anschließend geht es mit dem 2-Tages-Ticket per Tram in die Innenstadt.

Anmerkung zum Parken in der Innenstadt von Rotterdam:

18 Minuten kosten 50 Cent! Der Holländer leistet sich das trotzdem.

Wir wollen zur großen Neuen Markthalle, die ganz in der Nähe der Piet Blom Kuben und der großen Stadtbibliothek errichtet wurde. Diese riesige Halle, die von Büros und Wohnungen umschlossen ist, dürfte derzeit – mit der Centraal Station – das spektakulärste neuere Gebäude sein, das breitenwirksam eben nicht nur von Architekten wahrgenommen wird.

Weniger spektakulär, eher etwas behäbig und aus der Zeit gefallen wirkt die Stadtbibliothek, die uns zwar gleich aufgefallen war, aber eben nicht besonders positiv. Außenliegende Lüftungsleitungen – irgendwie ein „Centre Pompidou für Arme“, dabei allerdings frei von jeder Ästhetik.

Doch dieses hässliche Entlein hat es in sich. Was sich nach dem Betreten hier vor uns auftut, ist der reinste “Medienwahnsinn”. Eine Bibliothek, in der alle Medien gleichberechtigt nebeneinander existieren. Das klassische Buch, wie auch digitale Informationsträger. Und eine klasse gestaltete Mediathek im Eingangsgeschoß mit tollen betretbarem Audiomöbel. Hier möchte ich am liebsten gar nicht mehr raus.

Die sehr große Tüte Pommes  mit Ketchup und Mayonnaise auf dem benachbarten Marktplatz ist allerdings auch ein schwerwiegendes und vor allem gehaltvolles Argument. Dass es dazu die bessere Joppie-Sauce gäbe, habe ich leider erst später erfahren.

Ach was sind wir an diesem Tag noch auf den Beinen. Warum haben wir überhaupt eine Tageskarte für die Bahn, wenn wir so viel zu Fuß erledigen? Fragen über Fragen. Die Bildergalerie sollte Antwort geben können.

Abends geht es dann in die zwar schmucklose, aber geschmacklich überzeugende und auch preiswerte Pizzeria Arrancia. Danach zurück ins Hotel. Ich bin kaputt und will einfach nur noch auf dem Bett liegen bleiben. Meine Frau hat noch nicht genug und macht sich bei Dunkelheit noch einmal auf in Richtung Erasmus-Brücke. Diese Brücke hat mich schon tagsüber fasziniert. Ich habe zwar mit Stativ, Fernauslöser alles dabei für Aufnahmen in der Dunkelheit, bin aber dennoch nicht zu überzeugen und noch weniger zu mobilisieren.

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Bildergalerie – Rotterdam, 2. Mai 2015


Sonntag, 3. Mai 2015 

Unser Rotterdam-Aufenthalt neigt sich dem Ende zu. Uschi holt noch den Wagen vom P&R Parkplatz. Wir frühstücken im Hotelzimmer. So überzeugend und reich an Auswahlmöglichkeiten war das gestrige Hotelfrühstück schließlich nicht gewesen.

Dann soll es nochmals mit der Trambahn in die Innenstadt gehen. Doch ein Zwei-Tagesticket ist kein 48-Stunden-Ticket, wie wir etwas erstaunt feststellen müssen. Das Bahnpersonal an unserer Haltestelle sieht uns das Erstaunen an, ist hilfsbereit und stellt uns kostenlose Einfahrten-Tickets aus. Sehr lieb und zuvorkommend. So musste ich erst gar nicht fluchen!

Der Himmel hat sich zugezogen. So blau wie gestern ist er bei weitem nicht. Regen ist prognostiziert. Wir machen noch einen Spaziergang in einem benachbarten Wohngebiet und dann gibt es noch einen Kaffee mit Kuchen im Cafe New York. Dort ist viel los, der Besuch aber sehr empfehlenswert.

Gegen 13:30 sind wir am Auto. Die Weiterfahrt nach Amsterdam zu unserer Ferienwohnung (www.airbnb.de)  kann beginnen. Der Niesel-regen hat sich mittlerweile zu einem ausgiebigen Regenschauer entwickelt. Um 15:00 kommen wir an der Wohnung an. Von der Vermieterin keine Spur, auch der Freud vom Freund braucht Zeit, um uns die Wohnung aufzuschließen. Na gut. Die Wohnung ist soweit okay. Die Toilette hat in etwa die üblichen Ausmaße einer Toilette im Mittelstreckenflieger. Platzangst für Menschen meines Körpervolumens ist somit garantiert.

Wir machen uns schon bald in die Stadt auf. Laufen bietet sich nicht an, sondern die Fahrt mit der Straba zur Centraal Station und von dort aus in die Innenstadt. Dort schlappen wir erst einmal darauf los – planlos, um sich mit der Grachtenstadt nach bald einem Vierteljahrhundert – zuletzt waren wir im April 1991 hier gewesen – wieder vertraut zu machen.

Die Prinsengracht 263 und das Anne-Frank-Haus finden wir auch ganz schnell. Es ist Sonntagabend, 18:00 und die Menschenschlange vor diesem Gebäude ungelogen mindestens 200 Meter lang. Die mit gerade einmal 16 Jahren im KZ Bergen-Belsen verstorbene Schriftstellerin berührt junge und alte Menschen noch immer. Es ist schier unglaublich. Trotzdem hört der Völkermord in einigen Regionen unserer Welt nicht auf.

“Ich will noch fortleben nach meinem Tode.” – Tagebucheintrag, 4. April 1944. Zitat entnommen der Ausgabe des Lambert Schneider Verlags, Hamburg, 1958, S. 214. (Wikipedia) – Anne Frank ist dies auf jeden Fall gelungen.

Wer das geschichtsträchtige Hinterhaus besuchen möchte, dem sei angeraten, Wochen vorher bereits das Ticket per Internet zu buchen. Sonst wird er so erfolglos bleiben wie wir.

Wir laufen weiter, essen etwas, das Abendlicht ist wunderbar. Und das Iphone dient als Fotoapparat. Man kann unglaublich unbeschwert durch die Stadt und auch ihr Rotlicht-Viertel laufen. Dass selbiges eine ähnlich große Touristenattraktion wie das Anne-Frank-Haus ist, versteht sich von selbst.

Amsterdam - 03/05/2015 - © Gerald Langer
Amsterdam – 03/05/2015 – © Gerald Langer

Bildergalerie – Rotterdam, 3. Mai 2015

Bildergalerie – Amsterdam, 3. Mai 2015

 


Montag, 4. Mai 2015 

Frühstücken mit Brötchen vom Türken um die Ecke. Meine Frau fährt das Auto wieder auf einen P&R Parkplatz. Ein Glück, dass sie sich wieder um derartige Problemfelder gekümmert hat. Ich wäre da nie draufgekommen. Parkierungskosten vor dem Haus sonst 2,40 € / Stunde.

Tagsüber beschäftigen wir uns mit Route D des frisch erschienenen Architekturreiseführers. Ein ausgiebiges Programm mit einigen spektakulären Gebäuden und Brücken.

Am Bahnhof ruhen wir uns etwas aus, bevor wir uns entschließen, mal kurz in unsere Wohnung zu fahren. Pflastertreterei ist schon sehr anstrengend!

Abendessen in der Nähe des Leidseplein beim Thailänder, der zwar ein einigermaßen anständiges Essen zustande bringt, dafür aber Wartezeit beansprucht. Der Thailänder vor 24 Jahren in Amsterdam war definitiv besser. Ach, was hat uns der seichte Jazz  der Rippingtons als Hintergrundmusik damals gefallen. Bloß wird es dieses Lokal mit Sicherheit nicht mehr geben. Und wenn? Wir wissen nicht mal ansatzweise, wo dieses wunderbare Lokal war.

Der Verdauungsspaziergang führt uns vorbei am Paradiso, die Konzert-Location in Amsterdam schlechthin. Um die Ecke ist das Hard-Rock-Cafe Amsterdam und ein Bau vom Rem Koolhaas’ OMA, das Byzantium mit “Ufo”. Wenn Ideen nicht richtig funktionieren, kann es schon armselig aussehen. Die dort geplante Skybar wurde nie realisiert.

Kultur gesättigt geht es dann gegen 22:00 nach Hause.

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Bildergalerie – Amsterdam, 4. Mai 2015


Dienstag, 5. Mai 2015 

Nationalfeiertag in den Niederlanden, die Vorbereitungen mit diversen Straßenblockaden zum angekündigten Besuch der Royals haben wir gestern schon zu spüren bekommen. “Der 5. Mai ist der Tag, an dem die Niederlande das Ende der deutschen Besatzung und damit das De-facto-Ende des Zweiten Weltkriegs feiern.” (www.buurtal.de)

Nach dem Frühstück geht es zum Vondelpark und zum Museumplein mit Stedelijk-, Rijks- und Van Gogh Museum. Wir sind nicht die einzigen vor Ort. Hatten wir auch nicht anders erwartet. Kurzes Betreten des neuen Foyers vom Stedelijk- und Rijksmuseum. Man kann schnell erkennen, dass in Gebäuden mit dem Nebeneinander von Alt und Neu vollkommen unterschiedlich umgegangen wurde. Die Aufgabenstellungen waren ja auch unterschiedlich.

Aufgrund des einsetzenden Regenschauers fahren wir kurzfristig in die Wohnung zurück. Danach geht es wieder in die Stadt – Beginen- Hof kurz vor Schließung um 17:00, Opernhaus und nochmals Leidseplein. Essen bei „Wok To Walk“. Sehr passabel.

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Bildergalerie – Amsterdam, 5. Mai 2015


Mittwoch, 6. Mai 2015 

Nach dem Frühstück fahren wir mit der Straßenbahn nach Amstelveen. Dort wurde ein damals und auch heute noch imposantes Bürogebäude nahe einer Ausfallstraße platziert. Früher hieß es – wie die entsprechende Internetbank „Ing-House“ – heute „NN“. Dann noch ein Besuch der Gerrit Rietveld Academie, die sich im Innenraum wie eine riesige Müllhalde präsentiert. Es seien derzeit Ferien – es würde gerade aufgeräumt, erfahren wir. Zurück zum Olympiagelände von 1928. Wir erlauben uns einen kleinen Blick in den Innenraum, wo doch die Tore so schön offen stehen. Schon bald werden wir “vertrieben!”

Dann geht es nochmals zurück zum Museumsplein, wo wir glaubten, noch das Van Gogh Museum besuchen zu können. Keine Chance – es fängt zu nieseln an und die Menschenschlange auch hier unendlich lang! Regenschauer – mit der Tram zur Centraal Station und von dort aus wieder zum Frischmachen ins Quartier. Danach zu IJburg mit Bauten von Baumschlager und Eberle und schwimmenden Wohncontainern, die mir wesentlich mehr imponieren. Wir haben ausgesprochenes Aprilwetter.

Nun schließt sich der Besuch des Filminstitutes und Kinos „Eye“ an. Der mittägliche Versuch, dieses Gebäude aus der Nähe zu betrachten war leider aufgrund des heftigen Regens wenig erfolgreich verlaufen. Imposant außen und innen. Essen beim „Wok“ – hat sich schließlich bewährt.

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Bildergalerie – 6. Mai 2015


Donnerstag, 7. Mai 2015 

Heute bahnt sich ein Höhepunkt unserer Reise an. Die Fahrt mit der kostenlosen Fähre zur NDSM-Werft. Ein Architektenparadies mit jeder Menge Start-Up-Unternehmen. Wetter und Location optimal. Privatführung vom Hausmeister, Kranhotel und Einkehr in das alternative Cafe „Noordlicht“. Danach wieder zurück in die Stadt, die letzte Holzbrücke der Stadt ansehen. Auf dem Weg ein Halt im schönsten und ältesten Schallplattenladen Amsterdams – Concerto“! Unglaublich und für jeden Sammler von Kostbarkeiten ein unbedingtes Muss!

Zurück in die Stadtmitte – ehemalige Hauptpost (heute Magna Plaza). Kurz in die Wohnung – Apple-Shop, „Wok“, Prinsengracht, Hausboote, Königliches Palais, Magere Brug,…….

Das große Finale, bevor wir zum Packen zurückfahren.

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Bildergalerie – Amsterdam, 7. Mai 2015


Freitag, 8. Mai 2015 

Frühstück, Auto abholen vom Parkplatz, Abfahrt gegegn 9:30 in Richtung Otterlo. Ein wunderbarer Museumsbesuch mit Parkaufenthalt. Kröller-Müller – ich bin dort bereits zum dritten Male und bin noch immer begeistert.

Um 16:00 Rückfahrt nach Kürnach, wo wir erst gegen 22:00 ankommen.

Eigentlich wollten wir noch den Medienhafen im Düsseldorf besichtigen. Die gebuchte Übernachtung hatte ich am frühen Morgen storniert. Der Hafen muss warten. Die Vernunft hat gesiegt – ausnahmsweise!

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Bildergalerie – Otterlo, 8. Mai 2015


Zusammenfassend:

  • Ich muss fitter werden, um die steilen Treppen der Niederländer zu erklimmen.
  • Ich muss abnehmen, um WC’s  in Ferienwohnungen frei von Platzangst nutzen zu können.
  • Wo sind die älteren Menschen ab etwa 55 in Rotterdam und Amsterdam? Auf den Straßen findet man sie nicht. Es muss wohl barrierefreundliche Quartiere für diesen Personenkreis geben. Ich denke mal positiv!
  • Amsterdam ist in den Außenbezirken wirklich spannend. Rotterdam hat mich persönlich wider erwarten genauso gereizt.
  • Die Niederlande, insbesondere Amsterdam, ist teuer. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist aus den Fugen geraten.
  • Museumsbesuche nur nach rechtzeitiger Buchung von zuhause aus. Dazu sollte man sich dann eine “unattraktivere” Reisezeit aussuchen.
  • Mein Herz schlägt immer noch schneller bei guter Architektur. Bin ich froh!
  • Und ohne die logistische Vorbereitung meiner Frau wäre einiges schief gelaufen! Danke, Uschi!

© Gerald Langer (23-05-2015)

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Meinunterwegsblog.de soll langfristig kein ausschließlicher Urlaubs-Blog werden. So häufig bin ich ja auch nicht auf Reisen. Es geht mir vielmehr darum, Eindrücke von unterwegs in Wort und Bild festzuhalten, die für andere vielleicht auch interessant sein könnten. Insofern wird der Begriff des Unterwegssein von mir entsprechend weit gefasst.

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