Berlin – Fünf Tage Bundeshauptstadt 2017 – Reisebericht

Reisebericht mit Bildergalerien
Berlin – Fünf Tage in der Bundeshauptstadt
Ziemlich verregnete Tage vom 19. Februar bis zum 24. Februar 2017


Mit großen Plänen im Hinblick auf geplante Besichtigungen reiste ich an. War das sonntägliche Wetter auf der Hinfahrt schon mit grau und trüb ausreichend beschrieben, sollte es sich an den darauffolgenden Tagen in Berlin noch deutlich verschlechtern.

Nur wenige Sonnenstrahlen eines für wenige Minuten etwas blau eingefärbten Himmels sollten mich während dieser fünf Tage, die dennoch insgesamt Gewinn bringend für mich waren, erreichen. Es war damit eine gewisse Spontaneität, gleichzeitig ein „Sich-treiben-lassen“ angesagt, um immer wieder situativ reagieren zu können.

Nachfolgend meine wesentlichen Stationen des architektonischen Stadtspaziergangs samt Einkehr in diverse Galerien und Museen:

Montag, 20. Februar 2017

Berlin - Am Breitscheidplatz © Gerald Langer
Berlin – Am Breitscheidplatz © Gerald Langer
  • Breitscheidplatz mit Bikini-Haus – ein denkmalgeschütztes ehemaliges Industrie-, Geschäfts- und Bürogebäude an der Budapester Straße in der City West im Berliner Ortsteil Charlottenburg. Heute ist es wesentlicher Teil eines Ensembles, das den Namen Bikini Berlin trägt. Vormals wurde der Komplex als Zentrum am Zoo bezeichnet. Es beherbergt nun ein Einkaufszentrum mit Gastronomieangebot. Nördlich des Gebäudes mit begehbarer Terrasse befindet sich der Zoologische Garten. Unmittelbar neben dem längsorientierten Gebäudeteil steht das Design-Hotel 25hours. Vor dem Gebäude liegen der Breitscheidplatz und das doch etwas in die Jahre gekommene Europa-Center. Der Masterplan von Bikini Berlin stammt von dem belgischen Architekturbüro SAQ um den Künstler Arne Quinze und dem von ihm gegründeten Architekturbüro UAU collectiv (SAQ architects). Mit der Ausführung sowie Detailplanung wurde allerdings im Hinblick auf die Machbarkeit das Münchner Architekturbüro Hild und K betraut, die allerdings auch nicht gerade sehr zimperlich mit der Bausubstanz umgingen.

    „Das Bikinihaus wurde während der Sanierung vollständig entkernt und bis auf das blanke Betontragwerk rückgebaut. Alle bauzeitlichen Fenster und Schaufenster, sowie alle originalen Fassadenelemente, wie beispielsweise die Opakglasfriese, wurden vollständig entfernt und durch Rekonstruktionen ersetzt. Ein ebenso massiver Eingriff in die Denkmalsubstanz erfolgte im Inneren und auf der zum Zoo-Gelände weisenden Rückseite des Gebäudes. So wurden beispielsweise alle Treppenhäuser und Erdgeschossbauten des Bikinihauses abgerissen und durch eine zweistöckige Mall-Passage mit Terrasse ersetzt. Darüber hinaus wurde die Fassade an der Rückseite vollständig abgenommen und durch eine moderne Gestaltung ersetzt. Die Farbigkeit der rekonstruierten Fassade zur Budapester Straße wurde vorgefundenen Farbspuren nachempfunden.“ (Quelle: Wikipedia)

  • Upper West – Neubau von Christoph Langhof, Berlin. KSP Jürgen Engel Architekten (Berlin) zeichnen für die Entwurfs- und Objektplanung verantwortlich.
  • Zoo-Fenster – ein Hochhaus, ebenfalls  im Berliner Ortsteil Charlottenburg und in Nachbarschaft vom „Upper West“. Nebenan befindet sich der Zoologische Garten. Gemeinsam mit dem noch sich im Ausbau befindenden Upper West bildet es eine Art Torsituation zur Kantstraße und schafft einen großstädtischen Hintergrund für die Gedächtniskirche, die derzeit ebenfalls saniert wird. Im Zoo-Fenster ist ein Fünfsterne-Hotel der Kette Waldorf Astoria untergebracht, also definitiv nicht meine Preisklasse. Planer des Zoo-Fensters war der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler.
  • Zoo-Palast – nachdem die Berlinale am Sonntag endete, liefen am darauffolgenden Montag die Aufräumarbeiten. Nun kann man Fassadenkletterern bei der Arbeit zusehen. Hier fand im Übrigen bis 2013 eine wesentlich feinfühligere Sanierung dieses legendären Gebäudes statt.
  • Der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche: Der islamistische Attentäter Anis Amri tötete am 19. Dezember 2016 zunächst den Speditionsfahrer eines Sattelzugs, raubte den Lkw und steuerte ihn gegen 20 Uhr in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Elf Besucher des Weihnachtsmarktes wurden so getötet, 55 Besucher wurden verletzt, einige davon lebensgefährlich. Die „Route des Sattelzugs während des Anschlags“ kann man sich auf Wikipedia ansehen. Es ist erschütternd.
  • Bereich Potsdamer Platz – auch wenn ich hier schon einige Male war, hat der Bereich um den Potsdamer Platz eine gewisse Magnetwirkung auf Touristen.
  • Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas bei einsetzendem Regen zu besuchen, steigert die ohnehin beklemmende Wirkung dieses Mahnmals von Peter Eisenman.

Komplett im Regen erlebe ich den Alexanderplatz  – der Blick aus dem großformatigen Fenster des Saturnshops ist ernüchternd. Franz Biberkopf aus Alfred Döblins Roman „Berlin – Alexanderplatz“ kommt mir ganz kurz in den Sinn.


Dienstag, 21. Februar 2017

Das Wetter soll heute etwas besser sein. Also mache ich mich nach dem Frühstück im Cafe auf nach Potsdam, wo ich mir einen Stadtbesuch vorgenommen hatte. Muss wetterbedingt umdisponieren und besuche daher das Film-Museum. Dort gibt es eine sehr umfängliche Ausstellung über die historische Entwicklung der Filmstudios in Babelsberg.

Die Ausstellung im Obergeschoss mit großartigen Fotografien von Sam Shaw haut mich völlig um. Werde an anderer Stelle über diesen Fotografen berichten.

Die Sonne kommt nun langsam hinter den Wolken hervor, Zeit also für einen kleinen Spaziergang in Potsdam, bevor es sich wieder zuziehen soll. Der Park Sanssouci ist damit nicht mehr Teil des mittäglichen Programmes.

Der Weg führt mich stattdessen zum Olympischen Gelände Berlins. Auch hier braut sich abermals ein Regenguss zusammen. Zur Besichtigung des Stadions reicht es nicht mehr, um 16:00 soll es die Pforten schließen. Also mache ich mich auf, das Umfeld dieses geschichtsträchtigen Ortes zu erkunden. Um es kurz zu machen – viele der einstigen Nazibauten werden für Sportzwecke genutzt, architektonische Juwelen finden sich hier kaum. Die Herha (BSC) trainiert hier bei Wind und Wetter, jede Menge sportliche Jugendliche sind zwecks sportiver Ertüchtigung und Förderung unterwegs. Doch zur Freischwimmanlage gelange ich so nicht, obwohl mir zuvor von einem Ortskundigen versichert wurde, dass das gar kein Problem sei. Doch diese Sportanlage ist offensichtlich nur im Rahmen eines Stadionbesuches anzusehen.

Nun ja, Pech gehabt. Summa summarum ist das gesamte Gelände um das Stadion leider nicht ansatzweise von der städtebaulichen Qualität, wie sie im Jahre 1972 für den Olympischen Spiele in München geschaffen wurde.


Mittwoch, 22. Februar 2017

Nach dem Frühstück setze ich mich in den Bus M 29 und fahre bei strömendem Regen in Richtung Jüdisches Museum. Gegenüber hat Daniel Libeskind Teile, unverkennbar auch die Eingangssituation, der W. Michael Blumenthal Akademie gestaltet.

Die Akademie befindet sich somit in nahezu unmittelbarer Nähe des Museums in einer ehemaligen Blumengroßmarkthalle. Dort sind unter anderem eine Bibliothek mit öffentlich zugänglichem Lesesaal, ein Archiv, ein Veranstaltungssaal sowie weitere Seminar- und Workshop-Räume, untergebracht. Leitthema des Libeskind’schen Entwurfes:  Zwischenräume

Das Ensemble besteht aus drei geneigten Kuben sowie zwei Bürotrakten, die in den bisherigen Bau eingelassen sind. Der Innenhof ist als Garten der Diaspora gestaltet.

Vom Jüdischen Museum mache ich noch einige Außenaufnahmen, da der Regen eine leider nur kurze Pause macht. Immerhin!

Wetterbedingt schließt sich der Besuch der wunderbaren Berlinischen Galerie an, die ich mit ordentlichem Hunger verlasse. In einer Pizzeria finde ich einen adäquaten Unterschlupf, bevor es zu einem längeren Platzregen kommt.

Auf der Rückfahrt mit dem Bus dann Zwischenstopps am Checkpoint Charlie, in der Ritterstrasse, wo man sich die in die Jahre gekommene und teilweise „misshandelte und verschandelte“ Wohnbebauung von Aldo Rossi ansehen kann. Des weiteren ein Halt am Bauhaus-Archiv, in dem aktuell eine Ausstellung über die Fotografin Lucia Moholy bis einschließlich 27. Februar 2017 stattfindet und insbesondere ihre Landschafts- und Architekturaufnahmen präsentiert.

Hier kann man sich einen Videobeitrag über Architekt Volker Staab zur geplanten Erweiterung des Gebäudebestandes ansehen.

Kurzer Stopp auch beim Hard Rock Cafe Berlin.

Am Abend treffe ich Maren Kumpe im DaWanda Snuggery, ein schnuckeliges Cafe in der Windscheidstraße 19. Der Weg dorthin im strömenden Regen ist eine mittlere Katastrophe, das angenehme Gespräch mit Maren macht die Strapazen in durchnässten Klamotten allerdings ganz schnell vergessen.


Donnerstag, 23. Februar 2017

Eigentlich hatte ich mir den David Bowie Walk durch Schöneberg vorgenommen. Das Mehrfamilienhaus in der Hauptstrasse 155 Berlin-Schöneberg finde ich recht schnell, doch schon wieder setzt der Regen ein und macht alle Vorüberlegungen zunichte.

Mit der Bahn fahre ich zum Alexanderplatz und mache mich auf, die Museumsinsel, derzeit allerdings überwiegend Baustelle, zu umlaufen.

Im DDR Museum finde ich dann schnell ein Dach über dem Kopf und tauche stattdessen in die bittersüße Geschichte der DDR ein.

Berlin - DDR Museum © Gerald Langer
Berlin – DDR Museum © Gerald Langer

Mittagessen unter dem S-Bahndamm und anschließend einverregneter Besuch des Hackeschen Marktes und der Hackeschen Höfe. So macht Stadtbesuch wirklich keinen allzu großen Spaß.

Am Schluß noch Abstecher zum Breitscheidplatz,  Einkehr in die Gedächtsniskirche und in das Foyer der Schaubühne.

Bildergalerie | Gedächtniskirche am Breitscheidplatz

Bildergalerie | Schaubühne am Lehniner Platz


Freitag, 24. Februar 2017

Zum Finale geht es noch einmal in Richtung Kurfürstendamm. Noch habe ich bei lediglich trübem Wetter Zeit, am Delphi-Filmtheater, beim Quasimodo und beim Neuen Kranzler-Eck (Arch. Helmut Jahn) vorbeizusehen. Um 11:00 öffnet das C/O Berlin seine Pforten – zwei superbe Ausstellungen warten – Watched! im Erdgeschoss und Total Records – Vinyl & Fotografie im Obergeschoss, über die ich an anderer Stelle noch berichten werde.

Ein doch sehr versöhnliches Ende eines – unter Wetteraspekten sehr bescheidenen – Berlin-Aufenthaltes.

Am Nachmittag reißt der Himmel über Berlin dann doch tatsächlich auf.


 


Text und Bilder © Gerald Langer

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